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Telemedizin im Justizvollzug Pilotprojekt mit der JVA Hannover

Digitalisierung Niedersachsen

Mit Hilfe von Videosprechstunden werden die Abläufe in der Justizvollzugsanstalt (JVA) vereinfacht und beschleunigt. Die Bediensteten werden entlastet und gleichzeitig wird die medizinische Versorgung für die Gefangenen verbessert.

Telemedizin im Justizvollzug

Verbindung zur Bereitschaftsdienstpraxis
Um die Gesundheit der Gefangenen kümmern sich grundsätzlich die Anstaltsärztinnen und -ärzte. Außerhalb deren Dienstzeiten, zum Beispiel am späten Abend, muss der kassenärztliche Bereitschaftsdienst gerufen werden. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder kommen die Bereitschaftsärzte in die JVA; das ist für die Medizinerinnen und Mediziner jedoch sehr zeitaufwändig. Oder die Gefangenen werden in der kassenärztlichen Bereitschaftspraxis vorgeführt; das ist jedoch stets mit einem hohen personellen Aufwand und letztlich auch immer mit einem Sicherheitsrisiko verbunden.
Durch das Pilotprojekt soll ein möglichst großer Teil dieser Einsätze durch eine telekommunikative Verbindung zu einer Bereitschaftsdienstpraxis priorisiert oder vermieden werden. Die Gefangenen profitieren davon, weil zu jeder Zeit eine hochwertige medizinische Versorgung gewährleistet ist. Aber auch für die Bediensteten ist es eine Entlastung, weil sie zügig auf kompetente ärztliche Hilfe zurückgreifen können.

Wie genau funktioniert ein telemedizinischer Einsatz?
Liegt ein geeigneter Fall vor, so wird eine Videosprechstunde über einen zertifizierten Videodienstanbieter aufgebaut. Die Behandlung erfolgt durch einen Bereitschaftsdienstarzt der kassenärztlichen Bereitschaftsdienstpraxis im KRH Klinikum Siloah in Hannover. Gegenstände einer solchen Behandlung können sein:

  • die Ausstellung von Rezepten, soweit die verordneten Arzneimittel oder wirkstoffgleichen Präparate nicht in der JVA Hannover vorrätig sind;
  • die Feststellung der Arbeitsunfähigkeit von Gefangenen und Sicherungsverwahrten;
  • die Einweisung von Gefangenen und Sicherungsverwahrten in öffentliche Krankenhäuser oder
  • die Mitteilung meldepflichtiger Krankheiten nach den Vorschriften des Infektionsschutzgesetzes.

Anhand dieser Liste mit Beispielen wird deutlich, dass einige Beschwerden auch weiterhin den direkten Arzt-Patienten-Kontakt erfordern, insbesondere akute Notfälle bedürfen des Einsatzes des Rettungsdienstes.

Zum Hintergrund
Die JVA Hannover ist eine der größten Justizvollzugseinrichtungen in Niedersachsen mit einer derzeitigen Kapazität von 626 Haftplätzen. Im Durchschnitt werden in der Hauptanstalt jährlich ca. 1.500 Gefangene und Sicherungsverwahrte aufgenommen.
Die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen ist für die Sicherstellung der ambulanten vertragsärztlichen Versorgung in Niedersachsen gesetzlich zuständig. Hierzu gehört auch die Versorgung von Gefangenen in Justizvollzugsanstalten in Notfällen außerhalb der Dienstzeiten.

Kooperationspartner
Kooperationspartner sind die Justizvollzugsanstalt Hannover sowie die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen.

Das Projekt im Überblick

  • Verbesserung und Beschleunigung der Versorgung in der JVA mit Hilfe von Videosprechstunden während des Bereitschaftsdienstes
  • Entlastung für die Bediensteten durch kurzfristige, kompetente ärztliche Hilfe
  • Bessere medizinische Versorgung für die Gefangenen