DIVA Digitale Vernetzung in der konservativen Augenheilkunde

Ausgangslage
Menschen mit Diabetes mellitus haben ein signifikant erhöhtes Risiko für Augenerkrankungen wie die diabetische Retinopathie. Laut Leitlinie sollten sie mindestens einmal jährlich augenärztlich untersucht werden. In Thüringen jedoch erhalten über 40 Prozent der betroffenen Patientinnen und Patienten diese Untersuchungen nicht regelmäßig.
Projektinhalte
An acht Standorten in vier Thüringer Landkreisen mit den niedrigsten Screening-Raten (Personen mit Diabetes mellitus und augenärztliche Behandlung) werden Diagnostikzentren eingerichtet. Dort werden mittels fundusfotografischer Technik Netzhautaufnahmen erstellt, welche über eine sichere telemedizinische Plattform an teilnehmende Augenärztinnen und Augenärzte zur Befundung übermittelt werden. Die Befundung erfolgt asynchron, also zeitlich unabhängig von der Untersuchung.
Versorgungsweg
Die Hausärztin bzw. der Hausarzt oder die Diabetikerin bzw. der Diabetiker können online oder telefonisch über ein Onlineportal bzw. eine Hotline der KV Thüringen (KVT) einen Termin in einem der Diagnostikzentren vereinbaren. In den Diagnostikzentren werden die Patientinnen und Patienten über DIVA aufgeklärt, die Ein- und Ausschlusskriterien geprüft, das Einverständnis zur Datenverarbeitung und zur Teilnahme an der Evaluation eingeholt und die relevanten Patientendaten anhand eines standardisierten Anamnesebogens erhoben. Die Mitarbeitenden in den Diagnostikzentren erstellen mit Hilfe einer vollautomatischen Funduskamera die Bilder vom Augenhintergrund. Dabei kann auf das Weittropfen der Pupillen verzichtet werden. Anschließend werden die Bilder zusammen mit den patientenindividuellen Informationen über die telemedizinische Anwendung durch die Mitarbeitenden der Diagnostikzentren an eine befundende Thüringer Augenarztpraxis übermittelt. Diese Augenärztin bzw. dieser Augenarzt soll innerhalb von fünf Werktagen über die telemedizinische Anwendung einen strukturierten Befundbericht erstellen und an das jeweilige Diagnostikzentrum zurücksenden. Diese Berichte werden anschließend sowohl dem überweisenden Arzt bzw. der Ärztin als auch dem Patienten bzw. der Patientin zur Verfügung gestellt. Im Falle eines pathologischen Befundes wird die Diabetikerin bzw. der Diabetiker an eine weiterbehandelnde Augenarztpraxis vermittelt.
Evaluation
Das Projekt wird wissenschaftlich durch das Institut für Allgemeinmedizin der Universität Jena begleitet. Ziel ist es, Versorgungsqualität und Akzeptanz zu untersuchen und Grundlagen für eine dauerhafte Integration in die Regelversorgung zu schaffen.
Perspektive
DIVA verfolgt das Ziel, ein digitales Screening-Modell zur Früherkennung diabetischer Augenerkrankungen dauerhaft in die Regelversorgung zu überführen. Der strukturierte Ablauf, die gezielte Weiterleitung und die technische Standardisierung bieten Potenzial für eine landesweite Anwendung.
Weitere Informationen unter https://www.kv-thueringen.de/diva
Das Projekt im Überblick
- Teleophthalmologisches Screening auf diabetische Retinopathie
- Einsatz von funduskopischer Bildübertragung durch Diagnostikzentren
- Asynchrone augenärztliche Befundung
- Ziel: frühzeitige Erkennung von diabetischer Retinopathie bei Menschen mit Diabetes mellitus
- Reduktion unnötiger Überweisungen und optimierter Ressourceneinsatz in Augenarztpraxen
