Modellprojekt DocOnLine in Pflegeeinrichtungen Videosprechstunde in Pflegeeinrichtungen zu Zeiten des Bereitschaftsdienstes

Projektaufbau und -ziele
Eine audiovisuelle (Vorab-)Klärung in Form einer Videosprechstunde mit DocOnLine zwischen Ärztinnen und Ärzten des Bereitschaftsdienstes und stationären Pflegeeinrichtungen bzw. einem stationären Pflegedienst soll dazu beitragen, die Ärzteschaft und Pflegefachkräfte außerhalb der regulären Hausbesuchszeiten zu unterstützen, die medizinische Versorgung während der Bereitschaftsdienstzeiten und die Lebensqualität der Pflegeheimbewohnenden zu verbessern und z. B. medizinisch nicht-indizierte Einweisungen in Kliniknotaufnahmen oder unnötige Fahrdienste des Bereitschaftsdienstes zu den Heimen zu reduzieren.
Neben der Erprobung der Videosprechstunde mittels DocOnLine zwischen den teilnehmenden diensthabenden Ärztinnen und Ärzten des Bereitschaftsdienstes (BSD) und den teilnehmenden Pflegeeinrichtungen wurde in jeder Pflegeeinrichtung zusätzlich ein Medikamentenkoffer zur Komplettierung der digitalen Versorgung etabliert.
Projektpartner
Die KV Bayerns (KVB) leitet das vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention (StMGP) geförderte Modellprojekt. Insgesamt nehmen fünf Pflegeeinrichtungen in ganz Bayern im Zeitraum vom 01.03.2024 bis 28.02.2026 teil:
- „Residenz an der Partnach" des Bayerischen Roten Kreuzes in Garmisch-Partenkirchen, Oberbayern
- Johanneswerk e.V. in Meitingen, Schwaben
- Seniorenzentrum Kürnach in Kürnach, Unterfranken
- PHÖNIX - Haus Windsbach - Pflegeheim GmbH der Korian-Gruppe in Windsbach, Mittelfranken
- Seniorenzentrum "Haus Falkenstein" des Bayerischen Roten Kreuzes in Kemnath, Oberpfalz
Das Projekt wird durch das inav (privates Institut für angewandte Versorgungsforschung GmbH) evaluiert.
Prozess der Videosprechstunde
Sobald eine am Projekt teilnehmende Pflegeheimbewohnerin bzw. ein Pflegeheimbewohner außerhalb der regulären Praxisöffnungszeiten Krankheitssymptome zeigt, die auf eine ärztliche Beratung oder Behandlung hinweisen, wird die zuständige Pflegefachkraft aktiv. Diese wählt sich dann digital in DocOnLine ein. Das strukturierte medizinische Ersteinschätzungsverfahren SmED wird durchlaufen und die Patientin bzw. der Patient in die passende Versorgungsebene gesteuert.
Die in DocOnLine diensthabende Ärztin bzw. der Arzt führt zusammen mit der Pflegekraft und der Patientin bzw. dem Patienten den Termin bzw. die Behandlung durch. Falls eine Medikamenteneinnahme indiziert ist, kann die befugte Pflegekraft nach Anweisung der Ärztin bzw. des Arztes auf den der Pflegeeinrichtung zur Verfügung gestellten Medikamentenkoffer zugreifen. Die Ärztin bzw. der Arzt überwacht die Medikamenteneinnahme während der Videosprechstunde und übermittelt der Pflegeeinrichtung eine schriftliche ärztliche Therapieempfehlung.
Das Modellprojekt nutzt dabei die Onlineplattform DocOnLine als Onlineportal in die ambulante Versorgung. Durch sie wird Patientinnen und Patienten in Bayern ein digitaler, niederschwelliger Zugang zur medizinischen Versorgung geboten, der zudem die KVB-Mitglieder bei der Erbringung ihrer Dienste unterstützt und interne Strukturen optimiert.
Die Anwendung unterbreitet den Patientinnen und Patienten das jeweils passende Versorgungsangebot in Abhängigkeit des Beschwerdebildes, der Dringlichkeit und der vorhandenen Ressourcen. Und das, noch bevor die Versicherten überhaupt in die Praxis oder Notaufnahme gehen oder die 116117 kontaktieren.
Das Modellprojekt ist am 15.02.2025 in den genannten Pflegeeinrichtungen gestartet. Bereits die ersten Rückmeldungen und das entsprechende Feedback der teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegeeinrichtungen ist sehr positiv und begeistert, sodass eine erfolgreiche Interventionsphase zu erwarten ist.
Das Projekt im Überblick
- Erprobung der Videosprechstunde in Pflegeeinrichtungen zu Zeiten des Bereitschaftsdienstes
- Ergänzung des digitalen Weges durch einen sogenannten „Medikamentenkoffer“
- Niederschwelliger Zugang zur Behandlung im Akutfall