PA Physician Assistants Integration von Physician Assistants (PA) in die ambulante Versorgung

Durch eine gestiegene Lebenserwartung der Patientinnen und Patienten und dadurch bedingte erhöhte Morbidität ist die Zeit bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten zu einer knappen Ressource geworden. Gleichzeitig ist das Durchschnittsalter der Niedergelassenen gestiegen. Einer der Lösungswege: Ärztliche Aufgaben müssen stärker delegiert werden. Ein Stützpfeiler können künftig Physician Assistants (PAs) sein. Um das wissenschaftlich zu belegen, hat die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) gemeinsam mit der Hochschule für Gesundheit, Soziales und Pädagogik (EUFH Rheine) und der Deutschen Gesellschaft für Physician Assistants e.V. (DGPA) ein zweijähriges Modellprojekt durchgeführt.
Was war das Ziel des Projektes?
Mit ihrem Projekt wollte die KVWL belegen, in welchem Umfang PAs Arztpraxen in der ambulanten Versorgung unterstützen können. Das Projekt untersuchte, wie PAs effektiv in die Arbeitsabläufe integriert werden können, wie sehr sie Praxisinhabende und andere ärztliche Mitarbeitenden dabei entlasten bzw. ob und wie stark sich der Versorgungsumfang erweitern kann. Im Projekt wurde zudem untersucht, welche Aufgaben von Ärztinnen und Ärzten typischerweise an PAs delegiert werden können. Da die Arbeit von PAs auch für die Patientinnen und Patienten neu ist, wurde deren Zufriedenheit mit den PAs ebenfalls gemessen.
Fazit zu dem Projekt
Die Ärztinnen und Ärzte, die an dem Modellprojekt teilgenommen haben, ziehen ein sehr positives Resümee. Die Einstellung einer PA wird als grundsätzlich positive Entscheidung bewertet. Durch die Umorganisation und Delegation vieler ärztlicher Tätigkeiten berichteten die Ärztinnen und Ärzte unisono von einer Entlastung bei ihrer Arbeit durch die PAs sowie einer insgesamt verbesserten Patientenversorgung infolge einer höheren Praxiskapazität.
Die teilnehmenden Ärztinnen und Ärzte sind sich darin einig, dass eine Einstellung von PAs keinen vollständigen Ersatz für die Anstellung zu Assistenzärzten bietet, jedoch auf Grund der Ausbildung der PA eine sinnvolle Ergänzung darstellt. Außer Frage stand für die Ärztinnen und Ärzte auch das Primat der hauptverantwortlichen ärztlichen Entscheidung in allen Fragen der Diagnosestellung und Therapieplanung.
Entscheidungen hinsichtlich Diagnose und Therapie wurden seitens der PA stets mit den Ärzten besprochen und von diesen schlussendlich entschieden.
Die Teilnehmenden wollen ihren Kolleginnen und Kollegen die Einstellung von PAs empfehlen; mehrere teilnehmende Praxen haben bereits weitere PAs angestellt.
Physician Assistants: eine Bereicherung fürs Praxisteam
Seitens der MFA und des gesamten Praxisteams werden die PA – sowohl menschlich als auch fachlich – als bereichernd empfunden. Das Konzept einer Teampraxis wird gerade für die hausärztliche Praxis ausgebaut und gelebt. Der zusätzliche Ansprechpartner wird als Bereicherung erlebt. Ebenso wird die Terminvergabe als einfacher empfunden.
Die PAs berichten, dass es im Verlauf ihrer Tätigkeit zu einem Zuwachs an praktischer Erfahrung und dadurch explizit zu einer persönlichen und fachlichen Weiterentwicklung gekommen sei. Sie würden das Studium und die Berufstätigkeit uneingeschränkt weiterempfehlen. Als häufige Tätigkeiten werden vor allem körperliche Untersuchungen, Betreuung von Chronikern, Mitarbeit in der Infekt- und Akutsprechstunde, Wundmanagement, QM-Tätigkeiten, Schreiben von Anträgen und Berichten, Haus- und Heimbesuche, Kommunikation mit Pflegediensten etc. genannt.
Bessere Patientenversorgung
Ihre Arbeit haben die PA häufig an die Erfordernisse in der jeweiligen Praxis flexibel angepasst. Die PA sehen als großen Vorteil für die Praxis auch, dass sie – im Gegensatz zu den Ärztinnen und Ärzten – mehr Zeitressourcen für die Patientenschaft zur Verfügung haben. Dies kann zu einer besseren Patientenversorgung beitragen. Die Wartezeiten auf einen Termin konnten reduziert werden. Auch die Wartezeit bei einem Termin wurde gekürzt.
Die in den Praxen spürbare Akzeptanz der Patientinnen und Patienten dem PA gegenüber deckt sich auch mit den Ergebnissen aus der Patientenbefragung. Die befragten Patientinnen und Patienten bestätigen eine hohe Zufriedenheit mit der Behandlung und Betreuung durch die PAs. Die PA hinterlassen bei der Patientenschaft einen routinierten und erfahrenen Eindruck. Diese bestätigen, dass sie sich erneut gern durch die PA behandeln lassen werden.
Auf der Patientenseite hinterlassen die PAs dabei neben einem Gefühl von Kompetenz auch den Eindruck einer besonderen Empathie oder eines spezifischen Verständnisses der individuellen Bedürfnisse der Patienten. Dies korreliert sicherlich auch mit dem Erfahren einer oft längeren Zeit, die seitens der PAs für die Patientenbetreuung zur Verfügung steht. Insgesamt verbessert sich bei den Patientinnen und Patienten durch die PA-Tätigkeit der Gesamteindruck der Praxis.
Positives Gesamtergebnis
Zusammenfassend kommt somit vor dem Hintergrund der Aussagen der Ärztinnen und Ärzte, der PAs sowie der befragten Patientinnen und Patienten die vorliegende Evaluationsstudie des Modellprojekts der KVWL zum Einsatz von Physician Assistants in vertragsärztlichen Praxen zu einem positiven Gesamtergebnis. Es ist zu vermuten, dass auch bei einem zukünftig häufigeren Einsatz von PAs sowohl in hausärztlichen wie auch fachärztlichen Praxen überwiegend ähnlich gute Erfahrungen mit der Tätigkeit der PAs berichtet werden. Zentral für den Einsatz von PAs ist dabei der wachsende Bedarf an der Delegation und Entlastung ärztlicher Tätigkeit, der sich vor allem in ländlichen Regionen in absehbarer Zeit deutlich erhöhen wird.
Auf der Veranstaltung des Zi „Ausgezeichnete Gesundheit 2024“ (öffnet in neuem Tab) hat das Projekt der KVWL den Preis für Exzellente Beispiele Ambulanter Versorgung in der Kategorie „Versorgung vernetzt“ gewonnen.
Weitere Informationen zum Thema Physician Assistant, den Leitfaden für die Integration eines PAs in die Praxis sowie die Evaluationen des Zi finden Sie unter kvwl.de/themen-a-z/physician-assistant (öffnet in neuem Tab)
Das Projekt im Überblick
- Mehr Entlastung für Ärztinnen und Ärzte sowie eine bessere ambulante Versorgung
- Eine gesteigerte Qualität in der Patientenversorgung durch qualifiziertes Praxispersonal
- Die Einsatzmöglichkeiten von PAs in der Niederlassung aufzeigen
- Die Effektivität von bestehenden Prozessen durch die Integration von PAs steigern