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SmED Strukturierte medizinische Ersteinschätzung in Deutschland

Notfallversorgung Bundesweit

Die Software SmED unterstützt medizinisches Fachpersonal dabei, die Dringlichkeit von Alltagsbeschwerden und den adäquaten medizinischen Versorgungsbedarf schnell und sicher einzuschätzen. Genutzt wird SmED seit 1. Januar 2020 vom Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen (unter 116117), es kann aber auch in Bereitschaftspraxen, Notaufnahmen und im Rettungsdienst eingesetzt werden.

SmED

Das Ergebnis der strukturierten Ersteinschätzung mit SmED ist immer an zwei Dimensionen gebunden. Das ist zum einen der Zeitpunkt, zu dem eine ärztliche Versorgung stattfinden sollte: Time-to-Treat – sofort, schnellstmöglich, binnen 24 Stunden oder in den nächsten Tagen. Zum anderen geht es um die angemessene Versorgungsebene: Point-of-Care – Rettungsdienst, Notaufnahme, Arztpraxis oder Bereitschaftspraxis.

Abfrage mit SmED
SmED bietet dem medizinischen Fachpersonal am Telefon einer Arztrufzentrale Unterstützung bei der systematischen Abfrage von Symptomen in Kombination mit weiteren Risikofaktoren wie Alter, Geschlecht und Begleitbeschwerden. Zudem wird die Software derzeit auch zum Einsatz am gemeinsamen Tresen von Bereitschaftspraxen und Krankenhausnotaufnahmen optimiert. Während eindeutig lebensbedrohliche Notfälle durch eine Blick- bzw. Hördiagnose meist unmittelbar erkannt werden, hilft SmED auch, nicht offensichtliche abwendbar gefährliche Verläufe zu identifizieren und von harmlosen Alltagsbeschwerden zu unterscheiden.

Entwicklung von SmED
Grundlage ist das seit Jahren in der Schweiz etablierte evidenzbasierte Verfahren SMASS (Swiss Medical Assessment System), das unter anderem auf das Projekt und die Publikation Red Flags des Instituts für Hausarztmedizin der Universität Bern zurückgeht. Die Entwicklung konnte von den Erfahrungen aus mehreren Jahren in der Telefon-Triage bzw. Telemedizin profitieren. Im Auftrag des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung in der Bundesrepublik Deutschland (Zi) wird das Verfahren unter dem Namen SmED für den Einsatz in Deutschland angepasst. Partner des Zi ist das Unternehmen Health Care Quality Systems (HCQS) aus Göttingen, ein Joint Venture des Göttinger aQua-Instituts und der Schweizer in4medicine AG.

Zertifizierte Sicherheit
SmED wird gemäß europäischer Richtlinien für Medizinprodukte entwickelt und trägt das CE-Kennzeichen. Das Medizinprodukt der Klasse I ist beim Schweizer Heilmittelinstitut swissmedic registriert.

Voraussetzungen für die Anwendung
SmED läuft über einen zentralen Server und kann über eine sichere Schnittstelle in die jeweils verwendete Disponentensoftware, das Praxisverwaltungs- oder Krankenhausinformationssystem eingebunden werden. Soweit Kassenärztliche Vereinigungen als Kooperationspartner beteiligt sind, werden die SmED-Arbeitsplatzlizenzen durch die jeweilige Kassenärztliche Vereinigung bereitgestellt. Ansonsten können diese bei der HCQS bestellt werden. Die Anwendung setzt eine ausreichende Qualifikation und Berufserfahrung sowie eine Schulung in der Nutzung von SmED voraus.

Wissenschaftliche Begleitung
Das vom Innovationsfonds geförderte Projekt DEMAND evaluiert den Einsatz von SmED seit dem ersten Quartal 2019 auf dem Gebiet von elf Kassenärztlichen Vereinigungen. Dabei können kontinuierlich Verbesserungen vorgenommen werden. Über das Zi wird das Programm zu einem späteren Zeitpunkt allen Kassenärztlichen Vereinigungen zur Verfügung stehen.

Weitere Informationen unter SmED

Das Projekt im Überblick

  • SmED ist eine Software, die medizinisches Fachpersonal wie Medizinischen Fachangestellten, Notfallsanitätern oder Rettungsassistenten bei der Ersteinschätzung von Patientinnen und Patienten evidenzbasiert unterstützt. Dabei werden keine (Verdachts-) Diagnosen gestellt.
  • SmED macht Handlungsvorschläge, die Verantwortung liegt letztlich beim medizinischen Fachpersonal.

Vorteile der strukturierten Ersteinschätzung mit SmED

  • Auf Basis medizinischer Kriterien lassen sich Patientinnen und Patienten gezielt zum richtigen Zeitpunkt in eine angemessene Versorgungsebene führen.
  • SmED steht für Patientensicherheit und Handlungssicherheit, denn alle Warnzeichen für Notfälle und abwendbar gefährliche Verläufe können sicher erkannt werden.
  • SmED sorgt für einen einheitlichen Ersteinschätzungsstandard für alle Anwendungsstandorte, zugleich wird passives Wissen der Anwenderinnen und Anwender aktiviert
  • Aus der Anwendung entsteht eine transparente und nachvollziehbare Dokumentation des Befragungsprozesses und der resultierenden Handlungsempfehlung für die Patientinnen und Patienten.
  • Dokumentation (Assessment) kann elektronisch weitergeleitet werden und ermöglicht eine zielgerichtete Information der behandelnden Ärztinnen und Ärzte im Sinne einer Erstanamnese.